
#Bauvorhaben#Allgemein05. November 2018
Seit dem 10. Dezember 2017 können Bahnreisende wieder die Direktverbindung zwischen Berlin Hbf. und Dresden Hbf. nutzen. Dieser Streckenöffnung ging eine 16-monatige Totalsperrung im rd. 70 km langen Abschnitt zwischen Wünsdorf-Waldstadt und Hohenleipisch voraus.
Für die Zielgeschwindigkeit von 200 km/h sind in diesem Zeitraum umfassende Bauleistungen durchgeführt worden. Neben der Erneuerung des Unter- und Oberbaus, der Oberleitung, 20 bestehender Ingenieurbauwerke und von sechs Verkehrsstationen zählte auch die Errichtung von sechs elektronischen Stellwerken zum Leistungsumfang. Ein besonderer Fokus lag auf der Beseitigung von 18 Bahnübergängen (BÜ) und deren Ersatz durch Brückenbauwerke. Die fristgerechte Umsetzung aller Maßnahmen bis zur Inbetriebnahme im Dezember 2017 konnte nur durch die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen der ARGE ABS Berlin – Dresden, Los Nord (SPITZKE SE, JOHANN BUNTE Bauunternehmung GmbH & Co. KG und Hentschke Bau GmbH) sowie der DB Netz AG als Auftraggeber und durch kurzfristige, zielorientierte Lösungen im operativen Geschäft sichergestellt werden.
Übersicht der Projektziele
Die Ausbaustrecke (ABS) zwischen Berlin und Dresden ist Bestandteil des transeuropäischen Kernnetzes und leistet einen wesentlichen Beitrag im europäischen Eisenbahnnetz zur Verbindung der maritimen Schnittstellen der Nord- und Ostsee, des Schwarzen Meers und des Mittelmeers. Für die Erneuerung wurde die ABS in drei Einzelprojekte unterteilt, die im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2030 enthalten sind. Alle drei Projekte befinden sich in unterschiedlichen Realisierungsstufen:
Dresdner Bahn (Berlin-Südkreuz [a] – Blankenfelde)
ABS Berlin – Dresden (Blankenfelde [a] – Abzweig Kottewitz [a])
ABS Leipzig – Dresden (Abzweig Kottewitz – Dresden Hbf.)
Zielsetzung des gesamten Streckenausbaus ist die Anhebung der Angebotsqualität im Fernverkehr auf der Achse (Hamburg –) Berlin – Dresden (– Prag – Wien) durch die Reduzierung der Reisezeit. Während in 2015 für die Strecke Berlin – Dresden noch 2:04 h benötigt wurden, konnte durch die bereits bis Ende 2017 durchgeführten Baumaßnahmen eine Reduzierung um 17 min auf 1:47 h erreicht werden. Nach Abschluss aller Baumaßnahmen und der Anhebung der Streckengeschwindigkeit auf 200 km/h wird eine Zielfahrzeit von 1:20 h erreicht. Ebenso wird durch die Errichtung der 740 m langen Überholgleise frühzeitig auf die perspektivischen Entwicklungen im Güterverkehr reagiert. So gewinnt die Strecke nicht nur im grenzüberschreitenden Schienenpersonenfernverkehr, sondern auch im Schienengüterverkehr an Attraktivität.
Erneuerung des längsten Teilabschnitts der Gesamtstrecke
Im Rahmen der 1. Baustufe der ABS Berlin – Dresden bildete das Projektteam des Auftraggebers sieben Planungsabschnitte, welche unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Bundeshaushaltsmittel
sowie baubetrieblich eingeordneter Sperrpausen zeitlich gestaffelt umgesetzt wurden. Von August 2016 bis Dezember 2017 konnte im Rahmen einer Totalsperrung der größte Anteil der Strecke – der rd. 70 km lange Planungsabschnitt 4 „Baruth/Mark – Hohenleipisch“ – für eine Entwurfsgeschwindigkeit von 200 km/h hergestellt
werden. Die Entscheidung für eine Totalsperrung war das Ergebnis einer umfangreichen Abwägung, ob die Ausbaumaßnahme in vielen Einzelsperrungen und somit über mehrere Jahre gestreckt oder in enger zeitlicher Staffelung und somit kostengünstiger abgewickelt werden sollte. Der gesamte Planungsabschnitt 4 unterteilte sich in vier Teilabschnitte, die durch die DB Netz AG zu zwei Projektabschnitten (PA 4.1. + PA 4.2. sowie PA 4.3. + PA 4.4.) zusammengefasst und als Baulos Nord und Baulos Süd im August 2015 europaweit
ausgeschrieben wurden. Den Zuschlag für die Realisierung des nördlichen Abschnitts (PA 4.1. und PA 4.2.) erhielt im März 2016 die Arbeitsgemeinschaft Los Nord, bestehend aus den Firmen SPITZKE SE, Großbeeren, JOHANN BUNTE Bauunternehmung GmbH & Co. KG, Papenburg, und Hentschke Bau GmbH, Bautzen, unter technischer Federführung der SPITZKE SE.
Öffentlichkeitsarbeit als wichtiger Projektbestandteil
Für die Bahnreisenden wurden in dieser Zeit eine Umleitungsstrecke und ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Unter aktiver Beteiligung der Arbeitsgemeinschaft Los Nord fanden in den von der Baumaßnahme betroffenen Gemeinden und Kommunen zahlreiche Bürgerveranstaltungen mit dem Ziel statt, die Öffentlichkeit frühzeitig zu informieren. Dies förderte zum einen die Akzeptanz des Baugeschehens und generierte zum anderen Verständnis für den Schienenersatzverkehr. So konnten bereits im Vorfeld viele Fragen und Hinweise der Betroffenen berücksichtigt, auf deren Belange eingegangen sowie Verständnis für die Umsetzung der Arbeiten in den kritischen Tagesrand- und Wochenendzeiten geschaffen werden. Auch die Einrichtung eines Beschwerdetelefons für Anwohner und Betroffene der Baumaßnahme kristallisierte sich als sehr wirkungsvoll heraus. In enger Abstimmung mit dem Lärmschutzbeauftragten der DB Netz AG konnte so durch die Arbeitsgemeinschaft jederzeit sensibel, zeitnah und wirkungsvoll auf die Belange der Betroffenen eingegangen werden.